Chung
  Women's Letter, Nr. 45, 2008, German
  



Liebe Leserinnen und Leser,

Wir erleben leider heutzutage, wie Religionen oft nicht zum Frieden beitragen, sondern Konflikte verursachen. Aber Gott sei Dank sind die Frauen weltweit etwas anders orientiert. Ich habe in Tansania wieder uberzeugend erlebt, dass die Frauen, v.a. die Herrnhuter Frauen, mit denen mission 21 institutionell verbunden ist, buchstablich zum Leben und zum Frieden beitragen und nicht ideologische Konflikte oder institutionelle Spannungen zwischen den Religionen verstarken.

Tansania liegt in Ostafrika. Da leben Muslime und Christen relativ friedlich nebeneinander. Aber ein gewisses Potential der religiosen Konflikte ist auch hier vorhanden. Ein konkretes kleines Beispiel der Frieden schaffenden Frauenarbeit ist, wie sie mit den Bestattungen in den Dorfern und in der Nachbarschaft umgehen. Die Frauengruppen schauen nicht, wer zu welcher Religion gehort. In der tiefsten Notsituation und in der Trauer helfen sie einander in verschiedener Art und Weise, damit die Betroffenen die Traurigkeit und den Verlust eines Menschen uberwinden konnen. Die warme Anteilnahme und die trostenden Worte an der Trauerfeier und das Zusammensein helfen den Betroffenen sehr. Es geht den christlichen Frauen nicht darum, diese Dienste als Mitgliederwerbung fur ihre Kirche zu missbrauchen. Es geht ihnen darum, nach dem Evangelium den Not Leidenden zu helfen. Auch Hilfe an AIDS Witwen und Waisenkindern ist Teil dieser Frauenarbeit, die mit großem Einsatz aber wenig materiellen Mitteln treu geleistet wird. Luppy Mwaipopo, die Frauenbeauftragte der Sud West Provinz der Herrnhuter in Tansania berichtet von einer Frauenkonferenz uber interreligiose Friedensarbeit.

Die indonesische Pfarrerin Septemmy Lakawa berichtet, wie christliche Frauen, die gewalttatige Konflikte zwischen Christen und Muslimen erlebt haben, sich als Friedenszeuginnen profilieren. Ihre konkreten Aussagen, die sie auf Grund von Felduntersuchungen machen konnte, sind lebhafte Beispiele dafur, wie die Frauen in verschiedenen Formen zu Wort kommen. Das Schweigen hat vielfaltige Bedeutung. Normalerweise sind die Asiatinnen, ganz allgemein, viel schweigsamer oder ruhiger als in anderen Kulturen. Dies liegt sicher nicht am Selbstbewusstsein oder an der intellektuellen Kompetenz. Die Kommunikationskultur musste in diesem Sinne vielfaltig und unterschiedlich oder differenzierter angeschaut werden. Denn mit Schweigen kann man auch verschiedene positive oder konstruktive Dinge ausdrucken. Aber meistens wird Schweigen als ein Instrument zur Unterdruckung oder aus Gleichgultigkeit verlangt, v.a. in einer patriarchalen Gesellschaft sind Frauen oft zum Schweigen gezwungen. 

Darum ist es wichtig zu verstehen, dass aus der Sicht der Frauen des Sudens feministische Theologie sich als Anwaltin der Stimmlosen oder zum Schweigen gezwungenen Frauen verstehen sollte. In dieser Situation kann das Brechen des Schweigens der erste Schritt zur Befreiung sein. Sprechen konnen oder gehort werden sind allein schon Schritte zur Heilung und zur Befreiung. 

Ob Frauen besser fahig sind, mit Trauer umzugehen, kann ich sicher nicht pauschal sagen. Aber es ist die besondere Kunst der Frauen, das Leiden und das Trauern zu uberwinden und sich am Leben zu orientieren. Ein konkretes biblisches Beispiel sehen wir bei Maria im Johannesevangelium (20: 1-18), die aus Trauer das Grab Jesu besucht hat und durch die Begegnung mit dem Auferstandenen neue Kraft und die neue Aufgabe bekommen hat, Zeugin zu sein. Dieser Wendepunkt von der Trauer zur Freude, von der Angst zum Vertrauen auf Gott ist durch die frohe Botschaft moglich geworden. Wenn wir unter Mission verstehen, Zeugen dieser Botschaft zu sein, sind wir auch dazu verpflichtet, als Zeugen und Zeuginnen der christlichen Gemeinde dem Heilen, der Versohnung und der Transformation der Gesellschaft zu dienen. Dazu sind die indonesischen Frauen ein hilfreiches Beispiel.

Eine bolivianische Theologin, Maria Chavez, hat einen Beitrag uber Oko-Feminismus und Versohnung mit der Natur aus indigener Sicht geschrieben. Sie stellt die weisse, mannliche Dominanz uber die Natur aus kritischer Distanz dar und setzt sich mit der Problematik des Kolonialismus und des Neokolonialismus auseinander. Sie aussert aber auch inner-feministische Kritik. Der Feminismus sei eine aus dem Westen importierte Mode, westlicher Imperialismus, der die indigenen Kulturen ubersehe. Es ist ihr darum wichtig, den feministischen Ansatz mit den lokalen kulturellen und religiosen Wurzeln zu verbinden. Dies versucht sie in ihrer Arbeit zu verwirklichen.

Es zeigt sich in diesen Beitragen, wie soziale Faktoren wie Armut, das Gefuhl der Benachteiligung und ethnische Konflikte eine latente Gefahr fur religiose Gewalt sind, was neu bedacht und neu verstanden werden muss. Daruber hinaus soll die Ausbildung durch die Religionen ganzheitlich erneuert werden, damit Religionen nicht zu Ideologien oder zu Instrumenten fur jegliche Gewalt werden.

In diesem Sinn legt mission 21 sehr grosses Gewicht darauf, die Bibel mit neuen Augen, v.a. aus global sudlicher Frauenperspektive zu lesen, was in den letzen 2000 Jahren selten moglich war.  

Fur uns Frauen bedeutet dies: 
• Die Bibel mit eigenen Augen lesen. 
• Unsere konkreten Lebensbezuge, Selbstwertschatzung, unsere Stimmen in Gemeinde und Kirche einbringen. 
• Zugang zu Ausbildung, zu eigenen Mitteln, zu Definitionsmacht verankert zu bekommen. Damit fur uns ein Leben in Fulle, sowohl in geistlicher als auch in materieller Hinsicht, moglich wird.


mission 21 bemuht sich darum, dass feministische Theologie in den Kontinentalversammlungen weiter entwickelt wird, und dass sie in Partnerkirchen, Frauennetzwerken und in die ganze Lerngemeinschaft von mission 21 einfliesst. Sie unterscheidet sich von westlich feministischer Theologie. Diese kontextuelle Theologie aus dem Suden berucksichtigt besonders die Probleme im Zusammenhang von Rassen, Klassen und Kultur, um gegen von Menschen verursachtes Leiden aufzustehen. Dadurch werden das kritische Nachdenken und das Umdenkvermogen gefordert.

Dass dies in diesem evangelischen Missionswerk geschieht, ist das Verdienst jahrelanger Bemuhungen von Frau Direktorin Madeleine Strub-Jaccoud, der wir diese spezielle Ausgabe zu ihrer Verabschiedung am 30. Juni 2008 widmen.

Ich bedanke mich sehr bei Frau Direktorin Madeleine Strub-Jaccoud, dass sie ihren Ruckblick auf ihre langjahrige Arbeit und ihren Ausblick fur diese Ausgabe zur Verfugung gestellt hat.
Damit kommt ihr unermudlicher Einsatz fur die Frauen weltweit in ihren eigenen Worten zum Ausdruck.  

Ihr Auftrag an uns ist, dass dieses Engagement am Leben erhalten bleibt, diese Zielrichtung und Aufgabe weiterhin gepflegt wird und wir der Zusage in Offenbarung 22 trauen, wie sie im Baum des Lebens symbolisch dargestellt ist und im Logo von mission 21 steht - trotz des Personenwechsels in der Direktion. 

30. Mai 2008, Basel
Pfrn. Dr. Meehyun Chung
Leiterin Stabsstelle Frauen und Gender
mission 21
evangelisches missionswerk basel
[인쇄하기] 2017-10-30 14:20:08


     
  


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